Ja, der letzte veröffentlichte Blogartikel war ein Lob unseres Begegnungsortes für Menschen, ein Lob der Nähe und der vielen Gespräche, die Menschen zusammenbringen, auch dieser Bedürfnisse und ihres tieferen Sinnes. Plötzlich und unerwartet wurden wir alle aus dieser Wirklichkeit herausgerissen und einander beraubt – in der Realität. Es fehlt an Worten für das, was ist, keiner kann so wirklich erahnen, was noch alles auf uns zukommen mag…

Die Situation eines jeden von uns ist unterschiedlich. Jeder versucht jedoch, den Alltag neu zu organisieren und eine Balance zu finden zwischen der körperlichen, materiellen und emotionalen Sphäre. Immer noch besteht das Bedürfnis an Kontakten mit anderen Menschen, der Austausch von Gedanken und das so natürliche Bedürfnis nach der Nähe! Wir sind soziale Wesen. Menschen brauchen sich gegenseitig.

Die Technik, auf die wir bislang keine Lust hatten, erwies sich plötzlich als unser großer Unterstützer. Einige von uns tun sich noch schwer damit, sie in Anspruch zu nehmen. Jüngere helfen Älteren dabei.

Was erweist sich jetzt aber als besonders wichtig?

In dieser extremen Krisensituation zeigt sich, wie zerbrechlich wir Menschen sind und wie sehr wir miteinander verbunden sind und einander brauchen: unabhängig von der Herkunft, vom Kulturkreis und von der Sprache…

Durch das Mitgefühl und die Empathie wird es deutlich, dass das Bedürfnis, sich gegenseitig zu brauchen und miteinander zu kommunizieren, durch Emotionen ausgedrückt wird. Die Sprache tritt in den Hintergrund zurück und schafft Platz für Emotionen – für Empathie. Diese ermöglicht den menschlichen Kontakt und die Kommunikation – in welcher Sprache auch immer, und in welcher Form auch immer. Heute verbringen wir viel Zeit am Telefon, auf Skype, Zoom sowie auf anderen Kommunikationsplattformen, wohin auch immer sich das berufliche Leben verlagert hat. Wir schreiben wieder Karten und Briefe. Wir zeichnen, skizzieren, malen… Wir werden kreativer als jemals zuvor. Wir singen und musizieren! Der Sinn für Humor lässt Spannungen gut lösen und verbindet Menschen. Dieser offenbart sich auch in diversen Formen.
Vielleicht haben wir selbst in den letzten Tagen und mittlerweile Wochen so viele freundliche Gesten der Solidarität, Unterstützung und der Nächstenliebe nicht erwartet…

Worüber möchten wir jetzt sprechen? Worüber möchten wir uns jetzt unterhalten? Was wollen wir uns jetzt wirklich sagen, um uns gegenseitig zu unterstützen und zu stärken? In welcher Sprache?

Oder wollen wir vielleicht nur der Stille und ihren ungeschätzten Qualitäten zuhören? Ohne jemandem davon zu sagen, unauffällig, sanft und achtsam?

 

Agata Koch, Blogautorin, ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin und Koordinatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initia-tiven: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zu-sammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen! Kontakt: a.koch@sprachcafe-polnisch.org.