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Lesung und Gespräch mit Karolina Kuszyk
Moderation: Agata Koch, Germanistin, Autorin, Übersetzerin
Pankower Musikschule Béla Bartók ist mit Choro dabei!

Herzlich willkommen beim Streaming!
Online-Veranstaltung:
https://us02web.zoom.us/j/81802706695?pwd=ZlhlRHNxWUVaUnQzSXM0UVNtQ0FRQT09
Meeting-ID: 818 0270 6695
Kenncode: 069093
Ortseinwahl suchen: https://us02web.zoom.us/u/kbFIaIP4t6

Poniemieckie [Ehemals deutsch] von Karolina Kuszyk, Czarne Verlag, Wołowiec 2019
Über das Buch
Eine brillante Geschichte über das Schicksal von „ehemals deutschen“ Häusern, Friedhöfen und Dingen in West- und Nordpolen
Karolina Kuszyk, geboren und aufgewachsen in Legnica [deutsch: Liegnitz] untersucht das Phänomen des „ehemals Deutschen“, des „poniemieckie”. Dabei betrachtet sie, was die deutsche Vorkriegsgeschichte dieser Gebiete für die heute dort lebenden Polen bedeutet, ob und auf welche Weise sie in der Vergangenheit und heute reflektiert wird. Ein besonderer Stellenwert wird dabei Alltagsgegenständen wie Möbeln, Geschirr, Büchern, Gemälden, Postkarten und sogar Einmachgläsern eingeräumt. Karolina Kuszyk zeichnet das Schicksal der deutschen Hinterlassenschaften nach, vertieft sich in Erinnerungen von An- und Umgesiedelten, und führt vor allem Gespräche – mit Menschen aus mittlerweile drei Generationen, die in den ehemals deutschen Häusern wohnen und die dort vorgefundenen Gegenstände tagtäglich benutzen, mit SammlerInnen und SucherInnen auf den Spuren deutscher Schätze, sowie mit RegionalforscherInnen, die die Vorkriegsgeschichte ihrer Heimat in den polnischen West- und Nordgebieten erkunden. Und sie stellt Fragen. Was bedeuten die ehemals deutschen Dinge für die Menschen in Polen heute? Sind sie hübscher, harmloser Zierrat, wie das Bild mit dem Schutzengel, der Kinder auf einem Steg über einen Abgrund geleitet? Oder sind sie nur alter Plunder, mit dem Eltern und Großeltern nur aus Mangel an Alternativen vorliebnahmen und der heute nur noch zum Wegschmeißen taugt? Mit welchen Mitteln ließ sich ein „deutsches Haus“ in ein „polnisches Haus“ verwandeln? Und wie ging man mit den Friedhöfen der Deutschen um, die zwangsläufig auch nach 1945 in dieser Gegend zurückblieben?
Ihre Schilderung, wie sich die Biografien des „Ehemalsdeutschen“ – der Häuser und Dinge, der Friedhöfe mit deutschen Gräbern – von der Nachkriegszeit bis heute mit den Lebensläufen ihrer polnischen Erben verwoben haben, führt die Autorin auch zu der Überlegung, was „das Polnische“ heute eigentlich ist und wie viele Einflüsse von außen die Polen in ihren „eigenen Traditionen“ zu akzeptieren bereit sind. Somit ist das Buch auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema, wie man mit dem „Fremden im Eigenen“ umgeht.
Das Buch wurde 2020 mit dem Arthur-Kronthal-Preis der Kommission für die Geschichte der Deutschen in Polen sowie mit dem Preis der Stadt Legnica 2019 ausgezeichnet.
Über die Autorin
Fot. Grzegorz Lityński
Karolina Kuszyk (Jg. 1977) ist Schriftstellerin, Journalistin und Literaturübersetzerin. Sie schreibt und publiziert auf Deutsch (u.a. Die Zeit, Deutschlandradio Kultur, Tagesspiegel Berlin) und auf Polnisch (Mały Format, Zadra, Kwartalnik Literacki Wyspa, Notes Wydawniczy). Als Übersetzerin übertrug sie u.a. Ilse Aichinger, Max Frisch, Bernhard Schlink, Karen Duve, Antje Rávic Strubel und Andre Kubiczek ins Polnische. Kuszyk arbeitete mit dem Lodzer Literaturfestival „Puls Literatury“, mit dem Internationalen Poesiefestival Berlin, dem Netzwerk für Osteuropa Berichterstattung und dem Goethe Institut Polen zusammen. Sie war DAAD-Stipendiatin, Translator in Residence im Übersetzerhaus Looren (Schweiz) und Preisträgerin beim Berliner Poetry Slam der slawischen Sprachen. Seit 2014 unterrichtet sie Literarische Übersetzung und Literaturkritik an der Europa Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Karolina Kuszyk lebt in Berlin und Niederschlesien.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projektes START-UP FOR PEACE statt.
Herzlichen Dank an die Senatsverwaltung für Kultur und Europa für ihre Unterstützung!
Weitere Informationen finden Sie HIER.
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