Weihnachten, Weihnachten…

Was ist schon Weihnachten, wenn in einer Familie zweierlei Sprachen, Kulturen, Traditionen und Bräuche vorhanden sind? Kennt Ihr das? Wie kann das gehen? Was sind Eure Traditionen, die Euch am Herzen liegen? Was sind Eure Erfahrungen damit? Wie geht es Euch gerade jetzt in diesem weihnachtlichen Augenblick, wo Ihr immer gerade sein mögt?

Weihnachtsstress ist allgemein bekannt, auch in einsprachigen, seit Ewigkeiten verwurzelten Familien, wo die Abläufe seit Generationen klar sind, wo nichts mehr überraschen kann. Ja, so kann es auch sein. In anderen Familien wiederum kann es ganz anders zugehen. Menschen gehen aber mit Weihnachtsstress auch sehr unterschiedlich um, überhaupt mit Stress.

Um was geht es uns dabei aber eigentlich? Vielleicht wollen wir, dass das, was wir als Traditionen und Bräuche von Zuhause mitgenommen haben, was unsere Identität ausmacht, so glauben wir zumindest, weiter gelebt wird? Das wir es wiederholt zu bestimmten Festen erfahren und unseren Nachkommen weitergeben? Weil das für uns so schön und so wichtig ist! Es ist auch ein Bestandteil unserer Kultur, in der wir aufgewachsen sind. Die Sprache ist ihr wichtiger Bestandteil. Und das wollen wir keineswegs missen! Gerade zu Weihnachtszeit ist uns die Atmosphäre wichtig, die auf all diesen Ritualen aufbaut. Ja! So ist es, oder?

Und was ist dann, wenn gerade an diesen Tagen auch noch andere Rituale ins Spiel kommen?

Die Antwort heißt: Einfach Beides leben! Mit Gelassenheit und Frieden. Denn alles ist jetzt wichtig. Ohne Wertung. Eher mit Wertschätzung, die manchmal auch noch gelernt werden möchte. Beide Traditionen sind wichtig – für uns selbst und für die Nachwelt. Und bitte nicht überstürzen! Gerade bei jungen gemischten Paaren und Familien braucht es Zeit, um zusammen herauszufinden, wie die Verbindung aussehen könnte. Seid geduldig mit Euch selbst und mit Euren Nächsten. Denn es ist ein Prozess, zusammenzuwachsen, sich zu verbinden, zu verschmelzen oder auch vielleicht mehr Distanz zu schaffen, die sich wiederum mal auch ändern könnte. Das Leben bringt gnädig die richtigen Antworten mit sich auf Fragen, die wir uns stellen. Geduld, Aufrichtigkeit, Achtsamkeit, schließlich Liebe und vor allem die Selbstliebe wären eher geboten als voreiliges Verlangen nach dem, was uns gerade am wichtigsten vorkommt… Aber auch eine bewusste Haltung, was wir selbst sind, was uns ausmacht, was uns wirklich am Herzen liegt. Gleichzeitig aber auch eine großzügige Offenheit den Traditionen des Partners/der Partnerin gegenüber, Wertschätzung und ein sensibler Umgang mit dem ebenfalls fragilen Gegenüber. Überschreitet Eure eigenen Grenzen. Die Welt lässt heute mehr zu als je zuvor. Experimentiert, um herauszukriegen, was gut tut. Bleibt Euch selbst treu, auch wenn es nicht auf Anhieb klappt…

Psst… Schätzchen, wo verbringen wir dieses Jahr Weihnachten? Was essen wir zu Weihnachten?

Frohe Weihnachten!

 

Agata Koch, Blogautorin, ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin und Koordinatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initiativen: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zusammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen! Kontakt: a.koch@sprachcafe-polnisch.org.