Was sollen die Eltern der Kinder zum Thema Zwei- und Mehrsprachigkeit sagen, die heute schon groß oder gar erwachsen sind und ihre Familiensprache nicht sprechen?

Während sie Vorträgen bzw. Ratschlägen der Expert*innen folgen möchten, nicken sie nur verzweifelt mit den Köpfen, traurig, mit Scham, mit Leid über die endgültig verstrichene Zeit der vielen Jahre, sie würden am liebsten unter die Erdoberfläche verschwinden, verbittert…

Ich versuche sie dann zu trösten, wenn nur möglich: Seid gut zu Euch, liebt Euch selbst, das ist doch am Wichtigsten!

Liebt Eure großen Kinder wie immer, liebt sie weiterhin, aber liebt auch Euch selbst! Verzeiht Euch aus dieser Liebe! Verzeiht Euch selbst. Verzeiht Euch gegenseitig! Mit Schuldgefühlen und mit schwerem Herzen wird es doch nicht leichter… Für niemanden.

Das Leben verläuft meistens so, dass es uns gerade das bringt, was wir wirklich brauchen.

Benötigt wird dann nur Offenheit und Aufmerksamkeit, um das wahrzunehmen, was uns gerade wiederfährt, sowie Bereitschaft, das anzunehmen, was uns wiederfährt.

Jeder Augenblick, jedes gehörte Wort, jeder Mensch, dem wir begegnen, jede Begebenheit oder auch ein Spiel des Schicksals, Dinge, die zu dem von uns aufgestellten Plan nicht passen und eher Herausforderung darstellen – vielleicht ist all das eine neue Lektion, die wir gerade geschenkt bekommen und die es sich lohnt anzunehmen, um das zu lernen, woran wir noch gar nicht mal gedacht haben?

Vielleicht wird es irgendwo auch dazwischen noch Gelegenheit geben, mit der Sprache und Kultur in Berührung zu kommen, die uns ja in der Beziehung zu unseren Kindern gerade so sehr am Herzen liegen?

Sie kommt von alleine, ohne unsere Anstrengungen und Bemühungen um sie. Es lohnt sich loszulassen.

Die weite Reise liegt noch vor unseren Kindern, und vor uns: voller Überraschungen! Es wird spannend…

Vertraut auf die eigene Wahl Eurer Kinder, auf ihre eigenen Lebenswege, auf denen doch noch so viel passieren kann! Macht es spannend! Bleibt ihre guten Begleiter weiterhin: Liefert lebendige und natürliche Impulse für ein gutes und authentisches Leben!

Unterlasst Erwartungshaltung und Forderungen. Strahlt Frieden aus, Liebe und Vertrauen, dass wir schon alles bekommen haben, was zum Leben notwendig ist, dass wir schon alles haben und dass es uns an Nichts fehlt. Das Universum sorgt schon für unsere guten Beziehungen zu unseren Kindern, positiv, die auf Völle und nicht auf Defizite bauen. Lasst uns für unser Glück selbst Sorge tragen! Lasst uns einfach auf der Reise durchs Leben glücklich sein!

Denkt in aller Stille auch an das, was mal zu möglichen Verletzungen auf beiden Seiten geführt haben konnte. Keiner hat damals wahrscheinlich beabsichtigt, dem anderen weh zu tun.

Es ist aber trotzdem passiert. Nun verzeihen wir es: wir verzeihen uns selbst und wir verzeihen unseren Kindern. Wir lassen alles, was war, in Liebe los, nun lassen wir es gehen… Rituale hierzu gibt es viele, sucht nach welchen, die für Euch gut sind. In Liebe.

 

Agata Koch, Blogautorin, ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin und Koordinatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initiativen: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zusammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen! Kontakt: a.koch@sprachcafe-polnisch.org