Auf den ersten Blick lässt sich schwer erkennen, wer sie sind. Die Touris, Touristen – wäre der erste und der schnellste Gedanke, der uns einfällt, jedoch nicht der Einzige. Sie leben hier, wie andere auch haben sie Familien, oder auch nicht, sie arbeiten, sie stellen etwas her, sie verdienen Geld, sie zahlen Steuern und Versicherungen, sie beteiligen sich am gesellschaftlichen Leben der Stadt, wenn auch nur teilweise. Sie sind sichtbar im Bild der Stadt, insbesondere in den zentral gelegenen Stadtteilen. Sie sind glücklich oder weniger glücklich, wie auch Menschen woanders. Sie sprechen Englisch, Deutsch ungern, denn in der Regel ist ihr Deutsch eher unzufriedenstellend.

Wer sind diese Menschen?

Sie kommen aus verschiedenen Ländern der Welt. Häufig sind sie jung, mit guten Abschlüssen und Fachgebieten, die sich auf dem globalisierten Arbeitsmarkt großer Nachfrage erfreuen. Oft gehören sie der sogennanten Kreativbranche an.

Sie arbeiten viel. Die Kommunikation im Beruf findet auf Englisch statt. Das Englische begleitet sie ebenfalls nach der Arbeit in den Abendstunden oder am Wochenende, in der Zeit also, die im Kreis der Arbeitskollegen verbracht wird, die auch vor einiger Zeit nach Berlin gezogen sind.

Für die mitgebrachte Herkunftssprache findet sich in den Abendstunden unter Landsleuten vielleicht auch mal ein wenig Zeit.

Wie weit aber sind diese Begegnungen wichtig, um gepflegt zu werden?
Was heißt für diese Menschen Zwei- und Mehrsprachigkeit?
Was bedeutet für sie Integration? Wie fühlen sie sich hier wirklich?

Kommen sie in anderen Lebensbereichen, in denen sie mit der Ursprungssprache dieses Landes konfrontiert werden, wie z.B. bei Ämtern, tatsächlich gut zurecht?
Vielleicht ist das ein zu extremes Beispiel…

Andererseits wird immer mehr von der interkulturellen Öffnung der Verwaltung gesprochen – der Vielfalt der lebendigen und sich dynamisch weiterentwickelnden Großstadt gegenüber. Wie wird solch eine Öffnung verstanden? Es handelt sich hauptsächlich darum, von der vorhandenen Mono-Kultur loszulassen und sich der breitgefächerten Vielfalt der Gesellschaft zu öffnen, also der Wirklichkeit, die im Alltag ja mehrsprachig lebt!

Zur Erinnerung: Über 50% der Kinder unter 6 Jahren sprechen in Berlin mehr als eine Sprache!

Darüber, wie sich die Sprachenvielfalt in der Verwaltung realisieren lässt, denken viele kluge Köpfe nach. Jede gute Lösung ist Gold wert. Beispiele in anderen Regionen der Welt gibt es viele.

Am wichtigsten scheint jedoch die Haltung zu sein, die keine Diskriminierung duldet – denjenigen gegenüber, die kein Deutsch sprechen bzw. es unzureichend beherrscht haben. Wichtig ist gegenseitige Achtung, Achtung anderen Kulturen und Sprachen gegenüber. Wichtig ist der Mensch. Wir sollen sensibel sein, füreinander sensibel sein. So geht es leichter.

Agata Koch, Blogautorin, ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin und Koordinatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initia-tiven: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zu-sammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen! Kontakt: a.koch@sprachcafe-polnisch.org.