Wie verbringt Ihr die Ostertage? Sind die Ostereier etwa schon fertig gefärbt? Vielleicht mit Zwiebelschalenessenz? Oder mit Mustern bemalt? Oder wurden Eure phantasievollen Muster sogar mit einer anderen aufwendigen Technik eingeritzt? Habt Ihr sie ausgepustet? Sind die fertigen Ostereier direkt ins Osterkörbchen gekommen? Oder hängen sie am Strauch oder Baum? Sind das etwa alles Bio-Eier? Oder was für welche?

Könnt Ihr Euch noch an den letzten Blog-Artikel über Sprache und Emotionen erinnern? Traditionen, Feste und Bräuche tragen in den jeweiligen Kulturen auf eine wunderbare Art und Weise all diese Inhalte in sich. Schließlich leisten sie gerade einen großen Beitrag zu unserer Identität. Es ist ein tiefes Gefühl, das Geborgenheit vermittelt und uns ein Leben lang begleitet, wie auch immer. Dieses Gefühl könnte man etwa so beschreiben: …in einem Raum zu verweilen, in dem wir uns wohl, sicher und bedingungslos „ganz“ fühlen. Wir fühlen Verbundenheit mit etwas Größerem als wir es selbst sind. Wenn dieses Gefühl fehlt, dann fehlt im Leben etwas ganz Wesentliches…

Die Identität ist etwas Subjektives und Komplexes, daher individuell definierbar. Für Menschen, die in/mit mehreren Kulturen leben, kann der Prozess der Identitätsfindung schwieriger sein und länger andauern. Oft stellen wir dann fest, dass wir mehrere Identitäten haben.

Als ich als junges Mädchen damals am Anfang meines Studiums in Leipzig zum ersten Mal die Zeit vor Ostern dort verbrachte und mit Menschen aus verschiedenen Regionen der Welt in Berührung kam, wurde mir klar, wie kulturell unterschiedlich und irgendwie doch auch ähnlich diese Zeit gefeiert wird. Selbst die polnischen Oster-Bräuche erwiesen sich unerwarteter Weise als unglaublich vielfältig!

Lasst uns die Zeit zum Nachdenken nutzen.

Lasst uns diese Zeit nutzen, und uns mit unseren Familien, Verwandten und Freunden verbinden – mit unseren Wurzeln und unseren gemeinsamen Traditionen und Bräuchen, um uns zu stärken und uns einen Neustart zu ermöglichen! Wie auch immer. Die Sprache ist hier lediglich eine von vielen Ausdrucksformen des intensiven Erlebens dieses geschenkten, ja, geerbten Kulturgutes, auch im Kontext der Zwei- und Mehrsprachigkeit. Lasst uns die österlichen zahlreichen Treffen mit unseren Nächsten wahrnehmen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Lasst uns Brückenbauer zwischen Generationen werden. Lasst uns gute Beziehungen zu Mitmenschen pflegen. Lasst uns unsere Freude des Wiedersehens nicht verstecken. Lasst uns für neue Begegnungen offen und neugierig sein. Lasst uns die gerade positiven Emotionen ohne zu zögern wahrnehmen und auf diese bauen.
Der Frühling ist da. Er unterstützt und stärkt uns dabei. Endlich können wir auch mehr Licht und Wärme spüren…

Lasst und diese Zeit mit all ihren Botschaften nutzen und genießen. Und das mit allen Sinnen! Es lohnt sich.

Wesołych Świąt! Frohe Ostern!

 

Agata Koch, Blogautorin, ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin und Koordinatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initia-tiven: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zu-sammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen! Kontakt: a.koch@sprachcafe-polnisch.org.