Fragen nach Zweisprachigkeit kommen immer wieder vor, hauptsächlich von Einzelpersonen und Familien, für die eine interkulturelle damit mehrsprachige Umgebung neu ist.
Es gibt viele Definitionen dafür.
Vorab jedoch eine essenzielle Frage: Brauchen wir wirklich eine Definition?

Besucher*innen unseren Seminaren erfahren von unserem Experten-Team folgende Beschreibung des Phänomens Zwei- und Mehrsprachigkeit in ihren Schattierungen und Aspekten:

1. Beherrschen zweier oder mehr Sprachen auf muttersprachlichem Niveau;
2. Verstehen der Zweitsprache = Rezeptive Zweisprachigkeit;
3. Fähigkeit in wichtigen Lebensbereichen in zwei Sprachen zu kommunizieren. Code-Switching; Fähigkeit sich in zwei Sprachkulturen und Konventionen zu bewegen.
4. Volle Zweisprachigkeit – Kenntnisse der beiden Sprachen auf vergleichbarem Niveau in Wort und Schrift.

…wie auch immer…
Findet Ihr Euch hier wieder?

Von Johann Wolfgang von Goethe soll das Sprachwort stammen: „Wie viele Sprachen du sprichst, sooft mal bist du Mensch“. Ein ostslawisches Sprichwort besagt auch: „Je mehr Sprachen du sprichst, desto mehr bist du Mensch“. Was ist ein tieferer Sinn dieser Zitate?
Er berührt den emotionalen Aspekt der Sprache. Diese ist nämlich nicht nur ein Instrument der Kommunikation und des Informationsaustausches zwischen Menschen zu verstehen.
Sie ist ein Ausdruck von Emotionen unterschiedlicher Färbung und Kraft. Das Sprachbewusstsein spielt dabei eine wesentliche Rolle.
Es verrät nämlich unzählige Nuancen einer Intention der jeweiligen Aussage sowie Nuancen des Charakters oder auch des Verhaltens der Sprechenden.
Das betrifft auch genauso ganze Communities, die die jeweilige Sprache sprechen. Diverse Communities drücken die gleichen oder ähnlichen Emotionen sprachlich anders aus – auf ihre eigene Art und Weise. Denn jede Sprache hat ihre eigene Seele.

Wenn wir eine Fremdsprache erwerben, dürfen wir sie nicht ohne ihre eigene Seele erwerben.
Diese Wahrnehmung wird mit Sich-Verkleiden oder mit Aufsetzen einer Maske verglichen, ja mit einer Verwandlung. Inwieweit solch eine Verwandlung aber im Einklang mit unserem Inneren steht?
Sind Harmonie und Einheit in dieser Relation vorhanden? Wir streben an, in unserer Persönlichkeit natürlich zu sein, zu der auch die Sprache, in dem Fall auch die Sprache, die wir erworben haben oder erwerben, ein wichtiges Element ist.
Mit jeder neuen Sprache bekommen wir mehr Möglichkeiten, uns selbst, die Umgebung und die Emotionen auszudrücken. Es ist so als wenn sich dann auf der Bühne des Lebens ein anderes „Ich“ präsentieren würde.
Wenn die Lichter ausgehen, wechselt unsere Körpersprache, Mimik und Stimmlage. Fühlen wir uns mit ihnen wohl, wirken wir authentisch. Und darum geht es gerade.

Was sind Eure Kostüme? Masken? Wo ist Eure Bühne?

 

Agata Koch, Blogautorin, ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin und Koordinatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initiativen: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zusammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen! Kontakt: a.koch@sprachcafe-polnisch.org.