Die im letzten Artikel beschriebenen Verbindungen zwischen Sprache und Emotionen betreffen auch die Muttersprache. Die Muttersprache oder die Muttersprachen sind uns – im Unterschied zu einer erlernten Sprache – in die Wiege gelegt worden. Wir haben sie geerbt. Eine dieser Sprachen ist meistens dominierend und wird als Erstsprache bezeichnet. Die Erst- und Zweitsprache werden in der Kindheit und in der Zeit des Heranwachsens erworben.

Bühne, Masken, Kostüme werden in dem Fall als spontan wahrgenommen und schaffen einen sehr natürlichen Rahmen für die sprachliche Kommunikation.

Die Emotionalität der Sprache bilden auch Geschmäcker, Gerüche, Stimmen, Berührungen, Bilder, Licht, Stimmung eines jeden Momentes: also alles, was wir nicht in der Lage sind, sprachlich auszudrücken. Je subtiler es geschieht, desto tiefer wird unsere Persönlichkeit geprägt.

Heute wissen wir zu schätzen, wie wichtig Beziehungen zur Familie und zur Verwandtschaft in der Hinsicht sind und wie wichtig es ist, sie zu pflegen, besonders, wenn wir von unseren Wurzeln fern bleiben. Es lohnt sich, sie wirklich wahrzunehmen, jeden Tag. Wir sind uns gegeben. Wir sind eine Gabe füreinander, die einzigartig ist und damit so wichtig für eine ausgewogene persönliche Entwicklung eines jeden Menschen. Das dürfen wir nicht vernachlässigen.

Am 07. Juni 2019 ist in der Schulze ein Seminar „Die Rolle der Emotionen in der Entwicklung mehrsprachiger Kinder” geplant. Schon heute sind wir gespannt auf die vermutlich unzähligen Nuancen dieses Themas sowie auf den Erfahrungsaustausch mit Euch.

„Mein” J. ist gerade in die intensive Vorbereitungsphase auf Abiturprüfungen gekommen. Gleichzeitig ist das eine intensive Findungsphase, um Entscheidungen treffen zu können, was danach kommt. Unglaublich! Ich will es nicht wahr haben… Die Priorität Eins in J. Plänen ist das Lehramtsstudium! Jetzt muss noch die Wahl der zwei Fächer realisiert werden. Das sind bei J.: Deutsch und Geografie! Ein Volltreffer!? Stellt Euch vor, meine Oma und Js. Uroma war Sprachenlehrerin. Meine Mutter und Js. Großmutter unterrichtete Geografie… Die Macht der Gene? Mal sehen, ein wenig Zeit ist noch vor uns, es kann sich noch was ändern. Die zweite Option wäre: Mathe und Geografie.

Im Gespräch erklärt J., er sieht sich als Englisch-, Spanisch-, Französisch- oder Italienisch-Lehrer nicht, obwohl er diese Fächer liebt und in allen von ihnen sehr gute Noten hat! Und die besten Vorlagen! Jedoch nimmt er die feinen Unterschiede im Unterrichten von Sprachen durch Native-Speaker wahr und durch Lehrer, die die jeweilige Sprache selbst als Fremdsprache gelernt haben. Ihren Weg möchte er nicht gehen. Mag er lieber pure Authentizität? Und diese spürt er wohl.
Die Sprachen sind eindeutig Js. Stärke. Wir könnte er sie später nutzen? Und was hat das mit dem Lehramt auf sich?

Die Zeiten, in denen wir leben, machen diesen Beruf grundsätzlich nicht unbedingt erstrebenswert. In Polen ist es doch anders: er wurde immer schon nicht wertgeschätzt. Hier, in Deutschland, wird er positiver wahrgenommen. Lehrer hatten in der Vergangenheit den Status eines (Staats-)Beamten. Heute ist das nicht mehr so, die Gehälter sind aber doch nicht schlecht. Nur das Klientel wird wohl zunehmend schwieriger…
Jetzt beim Verlassen der Schule nimmt J. wunderbare Beispiele seiner Lehrer*innen mit und – was wohl außergewöhnlich ist – eine Einladung zum Mitarbeiten im Lehrer-Team nach dem Abschluss des Studiums. Willkommen zu Hause… Jeder Weg nach Hause ist anders und hat seine Richtigkeit.

 

Agata Koch, Blogautorin, ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin und Koordinatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initia-tiven: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zu-sammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen! Kontakt: a.koch@sprachcafe-polnisch.org.