„Interkulturelle Arbeit in der Kita“ ist der Titel eines nächsten Seminares für pädagogische Kräfte – Erzieher*innen, Lehrer*innen, Logopäd*innen, auch Eltern und Großeltern – im Rahmen der Netzwerktreffen für diese Zielgruppe der „Gelebten Mehrsprachigkeit“ in der Schulze. Interkulturaltät ist ein wichtiger Bestandteil unserer Aktivitäten, ja von Anfang an schon, so natürlich und doch so selbstverständlich für Berlin! Hauptsächlich in Bereichen Sprache, Kultur und Kunst.

All das, was über die Jahre entstanden ist, haben wir 2016 /2017 in Form einer Wanderausstellung zusammengetragen und präsentiert: 12 Künstler*innen aus 9 verschiedenen Ländern kamen zusammen und gestalteten mit ihren Bildern 5 Stationen der Ausstellung in Pankow. Lebendigkeit dieser Initiative drückte schon ihr Titel aus: „Was uns bewegt“. Fünf Vernissagen und eine Finissage begleiteten musikalische und literarische Beiträge sowie kulinarische Häppchen aus diversen Ecken der Welt, die hier gerade zusammenkommen. Nicht weniger spannend für die Ausstellenden erwiesen sich die eigentlichen Arbeitszeiten der Künstler*innen, die beim Aufhängen und Abhängen der Bilder. Gespräche, die mehr oder weniger flüchtig waren, denn die Zeit fühlte sich häufig irgendwie ziemlich eng an, überraschten dann doch mit ausgesprochenen Gedanken und gehörten Worten, die sich einfach mal so ergaben, mit Freude mitgeteilt, ausgetauscht, mit Neugier und Erwartung auf Neues, all das, was sich noch vielleicht erst ergeben mag…?
Das alles so zwischen den Zeilen schwebend und mit solch einem Reichtum beschert schwingt eine noch lange Zeit immer noch mit…

2019 ist die Fortsetzung der Wanderausstellung geplant, diesmal im offenen Format: Denn mehrere weitere Künstler*innen haben ihr Interesse bekundet, sich an unseren Ausstellungen zu beteiligen, dafür wollen einige der bisherigen Künstler*innen nicht unbedingt immer mit dabei zu sein. Lebendigkeit, Unbeständigkeit, Wandel, auch durch die Mobilität bedingt sind symptomatisch für das Leben in dieser Stadt, auch für die Zeit überhaupt, in der wir leben.

Der Anfang Juni dieses Jahres schon (Wisst Ihr noch?) brachte richtig heiße Sommertage nach Berlin. Seit der Zeit hielten wir uns schon am liebsten drinnen auf: in angenehm kühlten Altbau-Räumen, die dann so eindeutig ihre Qualität offenbarten!

Ein Traum-Zeitraum für eine gemeinsame Aktion der Gruppe der Künstler*innen, die sich zusammengetan haben, um eine konkrete Idee zu verwirklichen. Denn zufällig oder nicht zufällig entdeckte Ethno-Motive warfen mal die Frage nach ihrer Herkunft auf: Sind sie polnisch? Sind sie kaschubisch? Mexikanisch? Wir starteten Recherchen. Tauschen Bilder mit diversen Ethno-Motiven untereinander aus, die ursprünglich in entlegenen Ecken der Welt zu Hause waren. Die Entdeckung war unglaublich! Die Vielfalt dieser Motive ergab immer wieder Gemeinsamkeiten! Sind wir alle etwa miteinander verwandt? Haben wir mit kollektivem Denken zu tun? Wie ist dieses Phänomen der Volkskunst unserer Vorfahren zu erklären?

Anfang August an einem hießen Wochenende standen wir im Flur der Schulzestraße, von Vielfalt der Farben und Farben umgeben, mit Pinsel in der Hand und brachten die angedachten Motive an mehrteilige Holzschiebetüren an: hintereinander weg, abwechselnd, in aller Ruhe, in mehreren Gängen, nur der Rahmen war vorgegeben, sonst nur der Raum für reichlich Freiheit bei Wahl der Farben und Formen. Ein Genuss beim Auftragen der dicken farbigen Flüssigkeit an die Fläche rauen Holzes, ein Genuss der Präsenz der Farben, die nichts weiter als gute Laune auslösen und wie nachhaltig wirken! Endlich ein Genuss des ungezwungenen Gespräches, das sonst ja immer wieder zu kurz kommt. Was wissen wir schon wirklich voneinander? Was hat unsere Leben zu diesen gemacht, die heute gelebt werden? Bedacht, dass jeder Tag ja schließlich noch so viel Neues mit sich bringt und damit so unsere Leben weiterdichtet …! Neugier aufeinander und das Gefühl davon nicht satt zu werden, bleiben. Die Sprache spielt in dem Fall eine zweitrangige Rolle: ob Deutsch, Spanisch, Italienisch, Polnisch oder auch Góralisch… Alles hört sich gut an, alles ist gut und richtig, wir verstehen uns gut. Wir verstehen uns.
…habt Ihr jetzt Lust auf Ethno?

Ein spanisch-sprachiges Projekt Lanzate war schon im Frühjahr in der Schulze an zwei Vormittagen regelmäßig  präsent. Parallel zu diesen Fachseminaren und Workshops für Existenzgründer*innen in Deutschland in der spanischen Sprache lief unsere Büroarbeit im Hintergrund. Manchmal träume ich jetzt davon, durch die unterbewusste Wahrnehmung der gehörten Sprache, durch das an manchen Tagen stundenlange regelmäßige Hören, könnte ich eines Tages aufwachen und Spanisch-Konversationen mit Leichtigkeit führen! Wenn auch zu einfachen Themen! Die Sprachmelodie habe ich doch schon mal drauf. Vielleicht sogar nicht schlecht. Fehlen jetzt nur etwa die Grammatik und der Wortschatz?

Speak-Datings sind eine wunderbare Gelegenheit diverse Sprachkombinationen auszuprobieren und voneinander zu lernen. Sprache ohne ihren breiten kulturellen Kontext ist nicht möglich, in jeder Variante nicht möglich. Offenheit und gegenseitige Wertschätzung der Lernenden ist der Schlüssel zum Erfolg. Mit diesem Beitrag sind wir bei Expolingua, der größten in Deutschland Sprachmesse, zum dritten Mal schon eingeladen. In diesem Jahr sind wir sogar ihr Partner! Menschen, ihre Sprachen und Kulturen live zu erleben macht allen Generationen wirklich Spaß!

Die Interkultur des SprachCafés bereichert selbstverständlich auch der DamenSalon: monatliche Treffen für Frauen, die am Austausch zu Kulturen der Welt interessiert sind. Manche von ihnen flüchten vor Krieg und Gewalt, manche kommen aus beruflichen sowie aus privaten Gründen nach Berlin. Was sie verbindet ist die Freude am gemeinsamen Gespräch und am kreativen Miteinander sowie die anregende Atmosphäre der Gastfreundschaft. Das Vervollkommnen der Deutschkenntnisse sowie Alltagsthemen wie Beruf, Familie und Kinder sollen dabei nicht zu kurz kommen. Es lohnt sich vorbeizuschauen! Seid herzlich willkommen!

Übrigens: Interkulturelle Arbeit fängt schon in der Kita an 🙂

 

Agata Koch, Blogautorin, ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin und Koordinatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initiativen: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zusammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen! Kontakt: a.koch@sprachcafe-polnisch.org.