Außer der Seminarreihe „Gelebte Mehrsprachigkeit“ gehören jetzt nach der Sommerpause zu regelmäßigen Treffen in der Schulze wöchentlich stattfindende Angebote für Kinder: donnerstags Kreatives Polnisch für Schulkinder und freitags für Vorschulkinder, erweitert um ein Sonnabends-Block mit speziellen Themen: Sprache und Literatur, auch für Jugendliche. Schon bald wieder, in der Berliner Herbstferien, werden die 5-9-Jährigen die Möglichkeit haben an einem SprachCamp teilzunehmen, um diese Zeit im Kreise der Gleichaltrigen auf Polnisch intensiv zu erleben.

Unser neuestes Angebot heißt „Polnisch für zweisprachige Familien“. Denn nicht selten melden sich bei uns deutschsprachige Eltern mit ihren zweisprachigen Kindern. So ist das. Für diese Eltern stellt die Zweisprachigkeit ihrer Kinder und damit ihrer Familie einen großen Wert dar. Sie möchten ihre eigenen Polnisch-Kenntnisse erweitern, verbessern, vertiefen. So kann doch dann die Kommunikation innerhalb der ganzen Familie verbessert werden. Wir sind dabei und stellen unsere Erfahrungen und Fachwissen zur Verfügung, auch wenn sich das ein wenig experimentell anhört. Solche Wünsche sind doch selbstverständlich, wie tragen sie mit und versuchen unser Bestes zu geben! Jede Familie ist anders, jeder Mensch ist anders.

Ein absolutes Novum im SprachCafé ist die polnisch-sprachige Krabbelgruppe. Diese trifft sich montags vormittags. Den Wunsch haben wir immer schon wahrgenommen, leider war die Realisierung wegen Mangel an Räumen nicht möglich. Nun ist es soweit!

Die Mütter, meistens sind es Mütter, die diesen Raum für sich entdeckt haben, machen den Eindruck hier glücklich zu sein! Sie sagten, solch ein Angebot hätten sie bis jetzt in Berlin nicht bzw. kaum gefunden. Der Raum strahlt vor Freude, auch wenn unterschwellig… Wie die Maikäfer bekrabbeln nun Babys die grüne Wiese… „Die Wiese“ ist der Fußboden, den wir mit grünen Gymnastik-Matten montags ausgelegen. In der Mitte liegen einige wenige Spielsachen. Mehr scheint im Moment wohl nicht wirklich benötigt zu werden. Die Luft durchströmen leise Gespräche in der Muttersprache. Diese ist in der Zeit der Familienbildung besonders begehrt und wichtig: berechtigt, wertschätzend, die tiefe der Seele berührend. Alles scheint entspannt… Man/Frau ist angekommen.
Die Tür des SprachCafés steht offen, der Vorgarten lädt an sonnigen und noch warmen Tagen zu kleinen Krabbel-Ausflügen ein… Hereinspaziert!
Jetzt wünschen wir uns noch, das polnisch-sprachige Angebot für Kinder und ihre Eltern mit Musik zu ergänzen.

Es sind alles verschiedenen Möglichkeiten, in die Sprachen(n) einzutauchen, in die Sprachen(n) zu baden, um diverse Ebenen, Bereiche und Aspekte der Sprache(n) beim Spracherwerb zu erfahren, zu erleben und sie zu leben.

Das SprachCafé entstand vor 6 Jahren zwar in Berlin-Pankow als eine lokale Initiative, so kommen bei uns häufig Anfragen aus anderen Bezirken der Stadt an. Gerade gelingt es uns auch in Schöneberg und Mitte polnisch-sprachige Angebote für Kinder zu etablieren. Wir hoffen, das bald auch an weiteren Standorten tun zu können. Menschen schaffen Orte heißt es auch hier. Wer macht mit?
Der Partner-Verein MaMis e.V. hat es schnell geschafft, in der ganzen Stadt präsent und aktiv zu werden. Vieles können wir von ihm abgucken.

Generell kommen immer mehr Familien mit Kindern zu uns, denen wichtig ist, die Zweisprachigkeit zu leben, voneinander zu lernen, eigene Potenziale zu nutzen, mehr über die Zwei- und Mehrsprachigkeit zu erfahren, es sich so gut gehen zu lassen. Die Zuwanderung nach Berlin steigt. Ab und zu hören wir aber auch von einer Rückwanderung nach Polen. Ab und zu auch von der Zuwanderung aus dem englischsprachigen Westen Europas. Hin und wieder von Familien, die dreisprachig leben, in welcher Konstellation auch immer.
Meistens bleiben die jungen Familien unter sich. Ihre Großeltern sind weit weg, auch die Verwandtschaft ist weit weg. Deshalb ist ein Zusammenkommen und ein Zusammenhalt in der hiesigen Community wichtig und entbehrlich: um sich zu unterstützen, um voneinander zu lernen, zu geben, was wir geben können und zu nehmen, was wir für nötig halten. Grundlagen für diese Gemeinschaft schaffen die gemeinsame Sprache und Kultur.
Andererseits leben hier auch viele Senioren, deren Kinder und Enkelkinder ausgewandert sind und auch woanders leben. Sehnsucht, Sehnsucht nach Vertrautheit und Geborgenheit ist es.
Diese beiden Gruppen begegnen sich manchmal im SprachCafé. Der Wunsch nach mehr ist vorhanden.

 

Agata Koch, Blogautorin, ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin und Koordinatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initiativen: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zusammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen! Kontakt: a.koch@sprachcafe-polnisch.org.