Gut klappt das Zusammenspiel der verschiedenen Veranstaltungen in der Schulze, die auch noch von verschiedenen Personen geleitet werden. Natürlich setzt das ein gutes Management voraus. Einiges im Umgang mit dem Raum wird aber auch erst jetzt getestet. Die Ausstattung ist auch noch nicht komplett. Mit fast jedem Tag jedoch kommt etwas Neues dazu, kleinere oder größere Gegenstände. Das neue rote samtige Sofa ist wohl an dieser Stelle nennenswert: Es verleiht den Räumen einfach mal viel Charme, oder? Der Rotton des Sofas passt genau zum Rot des SprachCafés.

Die Veranstaltungen im Rahmen von „Gelebte Mehrsprachigkeit“ sind von Anfang an sehr gut besucht. Samstags finden hier Seminare für Eltern, Großeltern, Erzieher*innen und Pädagog*innen statt, einmal im Monat, donnerstags, ebenfalls ein Netzwerktreffen für Erzieher*innen.
Einmal im Quartal findet die logopädische Beratung auf Polnisch statt, und diese ist immer frühzeitig ausgebucht. Marta Maciejak, die Logopädin, ist mit ihrer empathischen Art und angenehmen Ausstrahlung ein Magnet für ihre kleinen und größeren Gäste, ebenfalls bei Kindern und Eltern beliebt: Kinga Mazur, Sonderpädagogin mit Schwerpunkt Inklusion und Integration, die das spannende Animationsprogramm für Kinder realisiert.

Die Seminare leitet Ania, die gleichzeitig Projektkoordinatorin ist. Ania Mróz, Dr. Anna Mróz, hat sich als Sprachwissenschaftlerin besonders auf die Mehrsprachigkeit spezialisiert, einen – in den Zeiten der intensiven Migrationen und Globalisierung – wohl sehr zukunftsträchtigen Bereich. Ihr enormes Expertenwissen bewundern die Teilnehmer*innen dieser lebendig gehaltenen Seminare. Hier kommen die Wissenschaft und die Praxis zusammen.
Und wir alle stecken hier mitten drin!

Erstaunlich ist, dass bis vor kurzem so wenig Wissen zu diesem Thema – und das in solch einer multikulturellen Stadt wie Berlin – vermittelt wurde! Der Bedarf ist da, genau das nehmen wir bei unserem Vorhaben wahr. So musste es damals im Kindergarten unserer Mädchen vor über 10 Jahren gewesen sein, als wir, die Mütter, nach dem Rat gefragt worden sind, was im Fall unausreichender Deutsch-Kenntnisse hätte unternommen werden können. Wisst Ihr noch, wie das SprachCafé entstanden ist?

Heute ist es anders. Unsere Veranstaltungen verlassen die Teilnehmer*innen mit dem Gefühl erfüllt, ermutigt und inspiriert worden zu sein, die nächsten Schritte im Alltag der Interkultur tun zu können, mit dem Gefühl glücklich zu sein. Auch wir sind glücklich, mit solchen Menschen zusammen arbeiten zu können und ihnen unser Wissen und unsere Erfahrungen weiter geben zu können. Wir alle lernen voneinander, jeden Tag. Was möchte man mehr?

Die Entwicklung der Projektarbeit der letzten Jahre im SprachCafé in zahlreichen Kooperationen sowie ihre Ergebnisse wurden von anderen rasch wahrgenommen: Die Universität Greifswald lädt Ania gerade im Rahmen von Europa-Projekten in der grenznahen Region zur Zusammenarbeit ein! Ein unglaublicher Erfolg und das gleich in Deutsch-Polnisch!
Wir hoffen, Ania bleibt uns hier – trotz der Entfernung – erhalten. Wie auch immer.

Ana Maria Acevedo, Logopädin von dem kooperierenden Verein MaMis, begleitet das ganze Projekt von seiner spanisch-sprachigen Seite. Während in Seminaren die Elternschaft sitzt, bekommen die Kinder ein speziell vorbereitetes Programm nicht nur in Kombination Deutsch-Polnisch, sondern auch Deutsch-Spanisch. Die Zeit wird optimal genutzt.

Darüber hinaus koordiniert Ana Maria auch die kostenlose telefonische Beratung zur zwei- und mehrsprachigen Erziehung der Kinder in Spanisch, Polnisch, Portugiesisch, Italienisch und Deutsch. Ania und Ana Maria sind im Projekt ein unschlagbares Tandem! Schade nur, dass die beiden jetzt nicht so viel Zeit wie sie es wollten auf dem roten Sofa verbringen werden.

 

Agata Koch, Blogautorin, ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin und Koordinatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initiativen: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zusammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen! Kontakt: a.koch@sprachcafe-polnisch.org.