Tja… da kommen wir wohl gerade auf die Anfänge des SprachCafés zurück, an seinen Ursprung. Genau DAS habe ich wohl damals vermisst – als junge Mutter und liebende Ehefrau eines gebürtigen Pankowers: Eine Gemeinschaft, die ihre Vielfalt lebt: in Freiheit, Souveränität und im Gleichgewicht, als Mehrwert, indem die Identität jedes Einzelnen präsent wird und wertgeschätzt wird. Diese Identität machen mehrere Bereiche aus: der Charakter des Menschen, die Sprache (Muttersprache als Erstsprache), die Kultur in ihrer Vielfalt, die Geschichte der Vorgenerationen, die eigene Familie und die direkte Umgebung, in denen wir aufgewachsen sind, das Gefühl der Zugehörigkeit, schließlich die Geborgenheit und die Souveränität, und das Glücklichsein!

Ich hörte mal innere Stimme, die immer lauter wurde: Es ist doch längst nicht alles gewesen, was ich hier wahrnehme! „Das Unsichtbare“ musste ich damit gemeint haben… irgendein heimisches Element, das zu meiner Integrität einfach gehören wollte. So kam es dann auch. Die vielen zutiefst ergreifenden Biografien von Menschen erzählt, die zu uns dann kamen und heute immer noch kommen… Deutsche oder Polen, oder… vielmals sind die Lebensgeschichten sehr verworren und die Frage nach der Nationalität irgendwann mal immer absurder wird… Wie auch immer… Es sind Menschen, die irgendwas mit Polen verbindet und gerade das für sie auch noch heute sehr wichtig ist bzw. wieder geworden ist. Es sind lauter Geheimnisse, die unglaublich spannend weiter erzählt werden könnten, wenn nur gewünscht. Und die konkreten überlieferten Themen lassen Vieles für unser SprachCafé weiter konkretisieren und den jeweiligen Bereichen zuordnen: Sprache, Geschichte, Literatur, Kunst & Kreatives, Unterwegssein, Kulinarisches, etc.

Bei jedem neu geknüpften Kontakt, bei jedem weniger oder mehr intimen Gespräch bemühe ich mich um Intimität der anvertrauten Inhalte, um Wahrung ihrer Fragilität und Eigenartigkeit. Das sind doch wunderbare Schätze! Keine Selbstverständlichkeiten. Ich glaube das zu schätzen zu wissen. Ich bin für sie unermesslich dankbar.
Genau so entstand und entsteht weiter das SprachCafé. In diesem Jahr scheint „Gelebte Mehrsprachigkeit“ zum besonderen Projekt zu werden. Gern verrate ich darüber noch ein bisschen mehr. Zuerst kommt jedoch die Sache mit dem Kindergarten.

 

 

Agata Koch, Blogautorin, ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin und Koordinatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initiativen: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zusammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen! Kontakt: a.koch@sprachcafe-polnisch.org.