Seit letztem Monat ist hier viel passiert. Fast jeden Tag füllen Gedanken über unser Café und seine unmittelbare Zukunft, einschließlich die entferntere, die in vielleicht ein paar Jahren…? Im Alltag begleiten uns auch konkrete Gedanken, wie z.B. der Transport eines Schrankes, den jemand aus einem anderen Stadtteil gerne loswerden möchte und der auf dem Foto so aussieht, als könnte er hier ganz gut passen. Themen sind ein ganzes Bündel, die Richtungen des Denkens auch. Die Idee ist, einen Raum für all das Gute zu schaffen, was in den letzten fünf Jahren an verschiedenen Orten und in verschiedenen Bereichen des SprachCafés entstanden ist, verschiedene Bedürfnisse zu vereinen und eine gute Atmosphäre für die weitere Entwicklung zu schaffen. Aber es ist immer so wenig Zeit, jeder Frage und jeder Idee die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie sich auch verdienten.

Weiterhin machen wir hier sauber, wischen von Dingen Staub ab, suchen den richtigen Platz für alles, was von überall her kommt und jetzt hier landet. Wir planen jeden nächsten Schritt. Wer nur kann, der kommt und ist da. Er schaut sich eine Weile um, unterhält sich mit Anwesenden und findet gewöhnlich etwas, was er tun kann und dann tut er es. Was jetzt eben notwendig ist: das und jenes noch zu streichen, Löcher zu bohren oder etwas zu schleifen. Oder eine gute Lösung zu finden. Wir müssen die Umsetzung vieler Ideen noch verzögern, weil sie Anschaffungen voraussetzten. Das ist aber ein separates Thema. Manchmal machen wir uns bewusst, wie weit es möglich ist auch ohne Geld voranzukommen. Für viele aktive Menschen ist dies eine wichtige Zeit und wichtiger Ort: Sie fühlen, dass sie hier etwas Sinnvolles tun können, mit dem Herzen. Wichtig sind auch Gespräche, die spontanen, die zwischen zwei gerade reingedrückten Schrauben stattfinden, zwischen  zwei auseinander geschobenen Tischen oder zwei gerade frisch gebrühten Kaffees. Das Alter spielt keine Rolle, das Geschlecht spielt keine Rolle, die Sprache spielt keine Rolle. Alles ist am richtigen Ort und zur richtigen Zeit.

Vor dem Fenster auf der Straße sehen wir hin und wieder neugierige Menschen. Einige von ihnen zögern, hier anzuklopfen oder gar hereinzukommen. Immer wenn wir sie sehen, öffnen wir die Tür einladend. Begegnungen sind wichtig. Es ist eine Synergie dieses Ortes, auch unserer Präsenz hier. Die Besucher scheuen nicht ihre Freude zu offenbaren, diesen Ort gerade entdeckt zu haben. Manchmal kommen spezielle Fragen oder sogar Vorschläge für eine Zusammenarbeit, manchmal wollen sie lediglich wissen, was an diesem Ort überhaupt sein soll. Viele Besucher freuen sich über die günstige Verkehrsanbindung des Ortes. Vor allem an sonnigen Tagen und in Richtung Park laufen sie in Scharen: manchmal ganze Familien, Großeltern, kleine und große Kinder sind dabei, Hunde…

Wir freuen uns jetzt schon auf die Zeit, wenn wir auf der sonnigen Terrasse sitzen können und in einer Cafe-Atmosphäre leckeren Kaffee genießen, uns über wichtige oder auch weniger wichtige Dinge unterhalten, über Manches schimpfen oder auch zusammen lachen können…

Inzwischen, seit Mitte Januar findet in der Schulzestrasse das Sprachangebot für Schulkinder statt, auch Literaturveranstaltungen für Jugendliche. Jede Woche kann man in Handarbeiten aktiv werden und sich dabei austauschen, aus Pappmasché Dinge entstehen lassen und Deutsch oder Polnisch üben. Der Donnerstags-SprachCafé startet wieder abends, diesmal ist Indien das Thema. Auch der interkulturelle Damensalon hat diese Adresse für sich entdeckt. Wir freuen uns über viele Anfragen nach Reservierungen von interessanten Initiativen. Und die Synergien. Der Frühling verspricht schön zu werden…

Willkommen! Zapraszamy!

A.K., im Februar 2018

 

Agata Koch, Blogautorin, ist in Polen geboren, Germanistin, Sprachdozentin, Übersetzerin sowie Initiatorin und Koordinatorin des SprachCafés Polnisch als Modellkonzeptes lokaler sozialer Initiativen: www.sprachcafe-polnisch.org. Nach Studienjahren in Leipzig zog sie 1990 nach Berlin. Seit 2000 lebt sie mit ihrer Familie zusammen im grünen Norden der Großstadt, in Pankow. Gerade hier entdeckte sie ihre Vorliebe zur Fotografie sowie zu anderen visuellen Formen neu. In ihrem kreativen Alltag wird sie auch vom dichterischen und erzählerischen Wort begleitet. Beide Sprachen betrachtet sie als Inspiration füreinander. „Begegnungen sind wichtig“ heißt das Motto der vielen gelebten Jahre in anregender Vielfalt der Kulturen, Sprachen und Generationen. https://agakoch.wordpress.com/ Dieser Blog ist eine Ankündigung einer umfangreicheren Publikation. Austausch hierzu, Ideen und neue Anregungen sind gern willkommen! Kontakt: a.koch@sprachcafe-polnisch.org.